Abschied von Moritz

 31.Oktober 2014, Moritz, Dackel Mischling, wurde 16 Jahre alt, lebte fast 3 Jahre bei uns

 

Für Weihnachten 2014 wollte ich eine kleine, nette Geschichte über Moritz für unsere Vereinsseite schreiben. Ich war mir sicher, dass Moritz noch recht lange bei uns sein würde. Es ist anders gekommen.

Es war im Februar 2012 als ich wieder eine E-Mail bekam mit der Bitte ein Tier aufzunehmen. Eine Frau hatte ihre kranke Mutter und deren 11 Jahre alten Hund aufgenommen. Sie wohnte im 6. Stock eines Mietshauses in Berlin. Der Hund hatte eine leichte Darminkontinenz, konnte keine Treppen steigen, war übergewichtig, hatte Probleme mit den Hinterbeinen und kam deshalb selten aus der Wohnung nach draußen. Die Frau hatte ihre Telefonnummer angegeben. Ich rief sie an und sagte ihr dass ich den Hund nicht aufnehmen könne, aber versuchen würde eine geeignete Stelle für ihn zu suchen. Dazu bräuchte ich aber Fotos des Hundes. Am nächsten Tag schon erhielt ich zwei Fotos. Ich sah sie mir an und war alarmiert. Der Hund hatte einen auffällig dicken Bauch. Ich rätselte, ob der Grund dafür vielleicht eine Aszites, also eine Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum aufgrund einer Herzinsuffizienz, Diabetes, ein Tumor, oder ein Cushing sein könnte. Ich machte einen Termin bei unserer Tierärztin für eine gründliche Erstuntersuchung mit Bluttests und Ultraschall, informierte die Besitzerin und bestellte ein Tiertaxi für sie. Denn mit einem inkontinenten Hund, der kaum laufen kann, kann man schwerlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

Es war mir gelungen Nick davon zu überzeugen, dass dies ein echter Notfall war und wir diesen Hund alten, kranken Hund aufnehmen müssten.   

So kam Moritz gleich nach dem Tierarztbesuch zu uns. Er war nicht 11 Jahre alt, sondern bereits 13 und er war seit mehreren Jahren nicht mehr beim Tierarzt gewesen. Wir setzten ihn in die kleine Gruppe unserer ganz alten Hunde. Durch den Bewegungsmangel hatte er eine Muskelatrophie in den Hinterläufen und war nicht mal in der Lage die 2 Stufen vom Haus in den Garten zu bewältigen. Wir mussten ihn mit einem Handtuch unter seinem Bauch stützen um ihn nach draußen und wieder zurück zu bringen. Das gefiel Moritz überhaupt nicht. Er knurrte uns an und wollte nach uns schnappen. Da hatte Nick eine Idee. Am nächsten Tag fuhren wir zum Baumarkt und wenige Stunden später hatte er für Moritz eine Rampe gebaut, sogar mit Grasteppich, damit er nicht ausrutschen würde. Von da an konnte Moritz allein entscheiden, wann und wie oft er in den Garten gehen wollte.


Nachdem alle Diagnostik abgeschlossen war stand fest, dass Moritz ein Cushing Syndrom hatte, eine nicht heilbare Nebennierenrindenfunktionsstörung, die aber mit Tabletten behandelbar ist. Außerdem hatte er Veränderungen in der LWS, vermutlich einen Bandscheibenvorfall und eine leichte Darminkontinenz.

Hätten wir Moritz nicht aufgenommen, wäre er vermutlich bald gestorben. Seine Besitzerin hätte für die Medikamente und Behandlung seines Cushing Syndroms nicht aufkommen können, die für die Zeit die Moritz bei uns war über 3000 Euro betrug. 

Anfangs war ich nicht sonderlich begeistert von Moritz, aber das beruhte auf Gegenseitigkeit. Er mochte mich gar nicht und wäre sicher lieber bei seiner Besitzerin geblieben. Er war eigensinnig, knurrte mich an wenn ich ihm zu nahe kam und schnappte nach mir, wenn ich ihm helfen wollte, wenn er hingefallen war. Später änderte sich vieles in unserer Beziehung. Dann kam er oft zu mir, blieb neben mir stehen, sah mich an, was bedeutete, dass er von mir gestreichelt werden wollte.  Manche alten Menschen werden im Alter etwas sonderlich und manche alten Hunde eben auch. Moritz war bereits ein alter Hund als er zu uns kam. Ich akzeptierte ihn einfach so wie er war und mit der Zeit wurden wir Freunde. Moritz war bescheiden, kam mit den anderen Hunden und den Katzen bestens aus. Er liebte sein Körbchen, den Garten und gestreichelt zu werden. Aber was er am meisten liebte war sein Fressen und schnell hatte ich gelernt nie den Fehler zu machen, ihm ein Stückchen Käse direkt aus der Hand zu geben.  

In den ersten Wochen war Moritz noch recht schwach. Wenn er versuchte aufzustehen rutschten seine Hinterbeine seitwärts weg und er fiel immer wieder hin. Er konnte kaum laufen und die Hinterbeine zitterten ständig. Doch das wurde immer besser. Auch die Darminkontinenz war fast verschwunden und er schaffte es meistens vom Haus noch rechtzeitig in den Garten zu gelangen.

Wenn ich ein Bällchen im Garten warf, war er der erste in der kleinen Gruppe der alten Hunde, der es fand. Dabei hüpfte er mit beiden Hinterbeinen gleichzeitig wie ein Hase. So ging es für ihn am schnellsten. Dann brachte er „sein“ Bällchen ins Haus und in sein Körbchen und verteidigte es knurrend wenn ein anderer Hund es wagte ihm zu nahe zu kommen.

Wenn wir vom Einkaufen zurückkamen und er das Auto gehört hatte hüpfte er durch den Garten ans Tor und begrüßte mich so voller Freude, als wäre ich ewig weg gewesen. Oft bemerkte ich, dass er Anstalten machte an mir hochzuspringen. Aber das konnte er nicht mehr.

Doch irgendwann begann es Moritz schlechter zu gehen. Er hatte Dackellähme. Er entwickelte wieder eine Darminkontinenz und außerdem auch noch eine absolute Harninkontinenz. Die Hundedecken und die auf dem Boden ausgelegten Badvorleger mussten alle zwei Tage gewaschen und der Boden gewischt werden. Ich merkte, dass es ihm unangenehm war, wenn er im Haus unter sich gemacht hatte. Ich hob die Häufchen auf und wischte die Bächlein kommentarlos und so unauffällig wie möglich schnell weg. Manchmal fiel er von der Rampe auf dem Weg in den Garten oder wenn er sich im Garten hinsetzte brauchte er eine gewisse Zeit um wieder aufstehen zu können. Aber ihm zu helfen erlaubte er mir nie.    


Es war am 31. Oktober, als wir uns von dem Kälbchen Emma aus einem Tierversuchslabor verabschiedet hatten, welches an diesem Tag auf die Reise in sein neues Zuhause ging. Es war ein Tag an dem ich so glücklich darüber war, dass es mir gelungen war das Leben dieses Laborkälbchens zu retten.

Am Abend wollten wir früh zu Bett gehen. Es war bereits dunkel draußen und die Hunde schliefen schon. Da hörte ich wie Moritz ein Geräusch von sich gab. Es war kein Bellen, eher ein Fiepsen, wie er es immer von sich gab wenn er sich freute. Ich lief zu ihm. Er lag in seinem Körbchen, doch sein Bauch schien dicker zu sein als sonst. Ich tastete seinen Bauch ab. Er war hart. Er speichelte und versuchte zu erbrechen, vergeblich. Wir schauten im Internet nach welcher Tierarzt in unserer Nähe Notdienst hatte. Als ich wieder zu ihm ging, sah er mich an mit einem sonderbar starren Blick. Ich streichelte ihn übers Köpfchen. Keine Reaktion. Da war es, dieses Schreckgespenst, was ich immer gefürchtet hatte, aber noch nie erleben musste – Magendrehung! Moritz befand sich bereits in einem Schockzustand. Wir mussten zur Tierklinik in Berlin fahren, nur dort könnte man ihm helfen. Es war extrem nebelig. Wir mussten langsamer fahren als sonst, denn man konnte draußen kaum etwas sehen. Während der Fahrt gab Moritz keinen Ton von sich. Als wir dort angekommen waren, war Moritz tot.

Kleiner, alter, tapferer Moritz, Du hast so sehr am Leben gehangen. Dein Tod kam ohne Vorwarnung. Du fehlst mir so sehr.

Beate Busse

Fotos von Moritz und seinen Freunde: Bildergalerie (bitte anklicken)

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